Mittwoch, 27. Oktober 2010

Jakobspilger - Von Graz nach Kühnsdorf/Völkermarkt

Mo, 11.10.2010: Von Graz nach Wildon
 Mit dem Auto bin ich um 6.00 Uhr in Olang abgefahren und habe um 6.40 Uhr den ÖBB-Zug in Innichen bestiegen und über Lienz, Spittal, Villach, Klagenfurt und Leoben habe ich um 12.30 Uhr Graz erreicht.
Der Jakobsweg in der Steiermark begann am Nachmittag der Mur entlang und auf dem Murtal-Radweg R2 passierte ich die Ortschaften Feldkirchen, Kalsdorf und Werndorf und traf um 18.30 Uhr in Wildon ein.
Im Gasthof "Spitzwirt" habe ich zu Abend gegessen und nachdem im Dorf kein Zimmer mehr zu haben war, hat mich der Chef gütigerweise eines im 8 km entfernten Leibring organisiert.
Was mir auf dem ersten Teilabschnitt besonders auffiel waren die vielen Kürbis- und Maisfelder.
Zu Graz sei erwähnt, dass es die zweitgrößte Stadt Österreichs ist (Kulturhauptstadt Europas im Jahre 2003) und der Name verrät schon ihren Ursprung: es war eine Fluchtburg (das slawische Gradec bedeutet Burg), errichtet von slawischen Siedlern. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Uhrturm auf dem Schlossberg. Der Dom ist dem Hl. Ägidius geweiht, welcher die letzten Jahre seines Lebens in der Provence verbrachte und der Besuch der Kathedrale von St. Gilles in der Camargue (bei Arles) für jeden Jakobspilger die erste wichtige Station auf der "Via Tolosana" war (entnommen aus dem Pilgerbuch von Peter Lindenthal).

Gehzeit: 5 1/2 St. (ca. 25 km)


Di, 12.10.10: Von Wildon/Lebring nach Spielfeld
Um 8.30 Uhr nach dem Frühstück bin ich in Lebring losgegangen und über Lang, Tillmitsch, dem Fluss Laßnitz entlang bis zur Einmündung in die Sulm (der Fluss Sulm mündet in die Mur und diese in die Drau), teils auf dem Römerradweg R6 bis in die Stadt Leibnitz. Von der Kapuzinerkirche im Zentrum gelangt man in ein paar Minuten zur Jakobskirche, in der ich auch kurz einkehre und dem hl. Jakobus danke, dass er mich auf dem Weg so gut begleitet.
Der Jakobsweg geht weiter über Feld- und Waldwege bis zur Sulmbrücke. Die gute Wegbeschreibung ermöglicht ein einwandfreies Wandern, obwohl keine Jakobsschilder zu sehen sind. Ich frage mich immer wieder, wie Herr Lindenthal diese Weg- und Steiglein überhaupt gefunden hat.
Über die Sulmbrücke gelange ich Richtung Reißnitz (unwegsam) und anschließend nach Ehrenhausen und über den Murradweg nach Spielfeld, wo ich um 17.30 Uhr angekommen bin.
Unterwegs mache ich kaum Rast, ein Obst kann man im Gehen essen und was besonders wichtig ist, genügend zum Trinken im Rucksack zu haben. So an die 10 kg wiegt der Rucksach tagtäglich.
In Spielfeld übernachtete ich im Buschenschank "Schober", wo mir auch ein gutes Abendessen gereicht wurde.

Die Stadtpfarrkirche in Leibnitz, dem hl. Jakobus geweiht, ist an sich romanischen Ursprungs, erlebte jedoch große bauliche Veränderungen, bedingt durch die beim ersten großen Türkeneinfall (1532) und dann beim großen Brand von 1704 erlittenen Zerstörungen. Auf dem Seggauer Berg ist die Burg Leibnitz zu sehen.
Die Marktgemeinde Ehrenhausen war im Mittelalter ein bedeutender Umschlagplatz für Salz und Wein, die mit Flößen auf der Mur bis nach Ungarn gelangten. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zur "Schmerzhaften Mutter Maria" stellt sich heute als eine der schönsten Barockkirchen der Region dar. Beim Überqueren der Brücke des Gamlitzbaches fällt eines besonders auf: an Stelle der sonst auf österreichischen Brücken anzutreffenden Statue des hl. Nepomuk sehen wir eine Darstellung des "Ecce Homo", eine Christusfigur mit Dornenkrone und skelettierter linker Hand, als Brückenpatron.
Die bei Grenzorten (Spielfeld) fast übliche Tristesse wird durch eines der schönsten Renaissanceschlösser der Steiermark und durch die sehenswerte gotische Kirche St. Michael mehr als wettgemacht.

Gehzeit: 6 1/2 St. (ca. 29 km)

Mi, 13.10.10: Von Spielfeld nach Ruse/Maria Rast (Slowenien)
Ich bin wiederum nach dem Frühstück um 8.30 Uhr losgegangen. Nach einer halben Stunde Gehzeit kam ich zum Grenzübergang nach Slowenien. Vorbei an der Kirche St. Ägid  und an zahlreichen Weintraubenfeldern (leider sind die Trauben schon alle geerntet) ging es über Asphalt, Wald- und Feldwege nach Unter-St.-Kunigunde bis zur Stadt Marburg (Maribor). Das Wetter ist heute nicht mehr so klar wie die Tage zuvor, doch sind die bunten Häuser in allen Farbvariationen leicht auszumachen. Was unangenehm auffällt ist der stinkende Rauch bei so manchen Hauskaminen und die zahlreich bellenden Hunde bei Höfen und Häusern entlang des Jakobsweges. Zum Glück sind fast alle hinter Zäunen oder angekettet, aber ab und zu erschrocken haben sie mich doch. Überhaupt die erste Jakobsmuschel in Holz erblickte ich bei einem Bildstock Nahe St. Kunigunde.
Geradeaus, in südlicher Richtung gelangte ich ins Zentrum von Marburg und zur Drau.
Nach der Stadt wanderte ich eine Zeit lang Nahe der Drau und in den Auwäldern entlang des Flusses fand ich zahlreiche Haselnüsse. Der Weg wird jetzt mühselig, da vielfach auf asphaltierten Wegen und Gehsteigen neben der Hauptstraße gewandert werden muß.
Ich passierte die Ortschaften Limbus/Lembach, Laznica, Bistrica/Feistritz, Bezena und gelange um ca. 18.00 Uhr nach Ruse/Maria Rast, einem Wallfahrtsort, wo ich auch übernachte.

Im Mittelalter wurde auf dem Hügel die Festung Marchburg gebaut, um das Drautal, einen bedeutenden alten Handelsweg, vor den Einfällen der Magyaren zu beschützen. Durch Holz- und Weinhandel wurde Maribor/Marburg reich und bekam schon 1254 das Stadtrecht verliehen. Heute ist sie die zweitgrößte Stadt Sloweniens nach Ljubljana/Laibach. Der Dom in Marburg ist Johannes dem Täufer geweiht.

Gehzeit: 8 1/2 St. (ca. 37 km)
Nachdem ich einen Schrittzähler dabei hatte, habe ich mir an diesem Tage die Schritte zählen lassen: 47.000.


                                                              
      



                                                                                                                                                                        Do, 14.10.10: Von Ruse/Maria Rast nach Vuzenica/Saldenhofen
Meine Startzeit ist immer dieselbe: 8.30 Uhr. Nach einem Abstecher in die Wallfahrtskirche von Maria Rast geht es auf Ausphaltstraßen bis zur nächsten Wallfahrtskirche "Maria in der Wüste" in Puscava, erbaut von den Benediktinern im Jahr 1627. Vorher kam ich an der Annenkapelle vorbei, aber wie schon so oft, die Wallfahrtskirche war wohl offen, aber ich kam nur bis zum Absperrgitter. Ein paar Gedanken und Gebete durften natürlich nicht fehlen.
Über einen Feldweg gelange ich zu den Bahngeleisen an der linken Seite der Drau. Kaum zu glauben, dass man in so unmittelbarer Nähe der Geleise einen Weg gefunden hat und ihn auch für so eine lange Strecke  benutzen kann. Gefährlich genug, auch wenn die Züge nur rar verkehren, aber scheinbar wird er auch von den Einheimischen benutzt, wenn sie ins nächste Dorf gehen. Sogar ein Reh verirrte sich auf den Geleisen.

Vor mehr als 20 Jahren war Slowenien noch Teil von Jugoslawien und deshalb ist dieses Gebiet auch fremdenverkehrsmäßig noch nicht so erschlossen; man kann aber die großen Anstrengungen und Fortschritte nicht übersehen, die der junge Staat in dieser Zeit auf dem Weg in seine europäische Zukunft gemacht hat.
Auf dem weiteren Weg nach Podvelka sieht man wieder die rot-weiße Kreismarkierung, wie ich sie schon einen Tag zuvor gesehen habe; ansonsten begegnet man keiner weiteren Jakobsmarkierung.

Die nächste Ortschaft, der ich mich näherte, ist Vuhred/Wuchern (Laurentiuskirche), wiederum vorbei an bellenden Hunden, die mich verfolgten. Bei einem Hof mußte ich gar einen Umweg machen, um einen mir nähernden Hund auszuweichen, trotz des Wanderstabes, den ich immer bei mir habe.
Der letzte Ort, den ich noch erreichte und der auch an der Drau liegt, heißt Vuzenica/Saldenhofen, gleich nach der Ortschaft Vid/St. Veit. Gar einige Schwäne habe ich in der Drau gesichtet. In Vuzenica traf ich um 18.30 Uhr ein und im Restaurant "Izidorju" bekam ich ein üppiges Abendessen serviert und legte mich gleich anschließend zur Ruhe.

Unterwegs auf dem Jakobsweg sinniere, meditiere und bete ich oft und ab und zu ist mir auch das Lied "Das Wandern ist des Müllers/Paulis Lust" eingefallen, welches ich natürlich auch gesungen habe. Auf diesen langen Teilabschnitten wird man nur sehr selten gestört (ausser von Hunden!) und man hat viel Zeit zum Nachdenken.
Sprachlich hat man in Slowenien keine Schwierigkeiten. Mit Deutsch oder Englisch kann man sich gut verständigen; die Jungen lernen es sowieso in der Schule und die ältere Generation gibt sich viel Mühe. Überhaupt muß man sagen, dass die Slowenen sehr höflich und zuvorkommend sind.

Der Markt Vuzenica/Saldenhofen wird schon 1238 erstmals erwähnt und entwickelte sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für das in der extrem waldreichen Gegend geschlagene Holz. Ausdruck dieses Reichtums sind die zahlreichen Sakralbauten in und rund um Vuzenica, allen voran natürlich die romanisch-gotische Nikolauskirche.

Gehzeit: 8 1/2 St. (ca. 37 km).

Fr, 15.10.10: Von Vuzenica/Saldenhofen (SL) nach Neuhaus (Kärnten)
Start wiederum nach dem Frühstück um 8.30 Uhr.
Nach einer langen Durststrecke treffe ich nach Dravce, aber vor Trbonje/Trofin, wieder auf ein paar Jakobsschilder, ein Hinweis, dass ich noch auf dem richtigen Weg bin.
Vor Dravograd/Unterdrauburg begleitete mich ein Stück des Weges eine Frau, die ganz gut Deutsch sprach. Sie erzählte mir von den vielen Arbeitslosen in der Stadt Dravograd (ca. 9.000 Einwohner), Folge der Wirtschaftskrise. Slowenien ist vor ca. 5 Jahren der EU beigetreten.
Auf der landschaftlich schönen Straße ist das Gehen ein reines Vergnügen, zudem eröffnen sich unterwegs immer wieder herrliche Ausblicke ans andere Ufer und auf die weitläufigen Hügelketten der Soboth.
Die Grenze zu Österreich (Kärnten) überquerte ich nach dem Dorf Vic/Witsch und komme zu dem alten Gut "Landsmannhof", den man die vergangene Pracht noch ansieht, das aber heute leersteht. Vor diesem Gut thront eine jahrhundertalte, mächtige Linde, Symbolbaum der slawischen Völker. Oberhalb der Linde sieht man die zum Gut gehörende, kleine, restaurierte Jakobskirche (die Erste in Kärnten), die zu besuchen sich auf jeden Fall lohnt, auch wenn sie versperrt ist.
Was auffällt, ist die bereits nach der Grenze eindeutig bessere Jakobsbeschilderung. Vor Lavamünd/Labot durchquert man einen Bauernhof und trifft dort auf die Markierung des Europäischen Weitwanderweges 06. Beim "Hüttenwirt" kehrte ich kurz ein und unterhielt mich prächtig mit den Einheimischen.
Ich überquerte die Lavant, die gleich anschließend in die Drau mündet und wanderte weiter bis nach Neunhaus, wo ich um 18.00 Uhr angekommen bin und im Gasthof "Hartl" typische Kärntner Gerichte verkostete und in netter Runde den Abend unterhaltsam ausklingen ließ.

Eine Anekdote am Rande: einem guten Kollegen habe ich per sms mitgeteilt, dass ich auf dem Jakobsweg unterwegs bin. Seine Antwort darauf: "Bitt für uns". Ich simste zurück "Geh Du selbst, dann bitt für mich!"

Dravograd/Unterdrauburg. Schon im frühen Mittelalter gelangte der Ort zu einiger Bedeutung und wurde unter dem Einfluss jüdischer Kaufleute zu einem der ältesten Märkte Sloweniens. Besonders die Drauschifffahrt und -flößerei trug zu seiner Blüte bei und war auch Knotenpunkt zweier wichtiger Eisenbahnlinien.

Lavamünd ist seit dem 14. Jahrhundert Marktgemeinde und liegt an der Mündung der Lavant in die Drau. Der Ort besitzt zwei sehenswerte Kirchen, die Marktkirche zum hl. Johannes im Westen und die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt im Osten.

Die unserem Pilgerpatron geweihte gotische Kirche in Neuhaus weist Reste von Fresken an der Choraussenmauer und über dem Westportal auf. Der hl. Jakobus ist ausser am Hochaltar auch in der Glasmalerei des östlichen Fensters zu sehen.
Das über dem Dorf thronende Schloss Neuhäusl wurde nach dem Brand von 1481 im Renaissancestil neu erbaut und später barockisiert.

Gehzeit: 7 1/2 St. (ca. 32 km).

Sa, 16.10.10: Von Neuhaus nach Kühnsdorf/Völkermarkt 

Abschlussetappe auf dem Jakobsweg durch die Steiermark, Slowenien, Kärnten, Osttirol, Südtirol und Nordtirol wie im Pilgerbuch von Peter Lindenthal "Auf dem Jakobsweg durch Süd-Österreich, Slowenien und Südtirol", also von GRAZ bis INNSBRUCK, beschrieben.
Wegbeschreibungen und andere kulturelle und historische Hinweise habe ich diesem Buch entnommen.

An diesem letzten Pilgertag ist in der Früh (8.00 Uhr) der Besuch der Jakobskirche in Neuhaus angesagt. Nach dem Frühstück holte ich mir den Schlüssel für die Kirche im naheliegenden Geschäft und verbrachte gar einige Zeit im Gebet in dieser letzten Pilgerstätte auf meinem Weg. Ich hatte zu Danken für gar einiges in meinem Leben. Natürlich habe ich auf dem Pilgerweg auch andere Anliegen und Wünsche immer miteingeschlossen.
Wenn man immer alleine unterwegs ist, hat man auch genügend Zeit dafür.

Nachdem bereits um 15.30 Uhr mein Zug in Kühnsdorf/Völkermarkt abfährt, habe ich ein flotteres Tempo vorgelegt und auch einige Abkürzungen genommen. Auf dem Fahrradweg ging es los, über eine neuerbaute Hängebrücke den Lippitzbach (mündet in die Drau) überquerend, sieht man linker Seite die Kirche von St. Luzia. Nach der Ortschaft Aich/Dob habe ich ein Foto von der Kirche St. Sebastian gemacht und da die Kirche verschlossen war, bin ich weitermarschiert. Bereits vorher und nachher auch noch, habe ich viele Bildstöcke am Wegesrand gesehen; Kärnten nennt man das Land der unzähligen Bildstöcke.
An Wiederndorf vorbei ging es weiter nach Mittlern und der nächste Ort Kühnsdorf ist schon mein Ziel.
Es kam in mir eine große Freude auf und es war ein bewegender Moment, als ich um 15.00 Uhr dieses Dorf erblickte, habe ich doch vor zwei Jahren an dieser Stelle den Jakobsweg begonnen.
Ich hatte diese Woche großes Glück mit dem Wetter und es war angenehm zu wandern.

St. Luzia. Knapp vor Aich liegt der kleine Weiler mit der Filialkirche St. Luzia, ein romanischer Bau, der im Barock wesentliche Änderungen erfuhr.

Aich/Dob. Die Filialkirche zum hl. Sebastian mit dem erst in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts freigelegten Fresko kann wohl als kleines romanisches Juwel bezeichnet werden.


Um 15.30 Uhr habe ich den Zug in Kühnsdorf/Völkermarkt bestiegen und bin über Klagenfurt und Villach um 18.30 Uhr in Lienz angekommen und nachdem dort keine Verbindung mehr nach Südtirol war, hat mich meine Frau Zilli mit dem Auto abgeholt und nach Hause chauffiert.

Gehzeit: 6 St. - immer reine Gehzeit (ca. 27 km).

Eine neue Erfahrung für mich war ganz allgemein das Pilgern und zudem noch die ganze Strecke alleine unterwegs zu sein. Ich muß sagen, ich habe mich durchgekämpft, obwohl man ab und zu auf den Gedanken kommt, ein Teilstück mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zurückzulegen, überhaupt wenn man "Asphalthatscherei" betreibt oder oft die längste Zeit einen "Bahngeleiseanblick" hat, wie z.T. in Slowenien. Aber diese Zeit vergeht auch und nachher ist man immer froh, alles auf "Schusters Rappen" bewältigt zu haben.

Eine Nachbetrachtung zum Pilgerweg: wir in Südtirol haben das Glück, dass zum Großteil alle Kirchen offen sind. In Süd-Österreich und Slowenien ist dies nicht der Fall: die meisten Kirchen, sei es Jakobs-, Wallfahrts- oder auch ganz normale Kirchen in den Dörfern sind zum Großteil versperrt. Es wird dies schon seine Gründe haben.

Ich danke dem Herrgott, dass ich die Gesundheit habe, so lange Wegstrecken überhaupt bewältigen zu können.
Meine nächsten Pläne wären, die Jakobswege in Südtirol anzugehen; einen Teil - von Innichen bis zum Brenner - habe ich ja schon hinter mir.

In 21 Tagen pilgerte ich auf dem JAKOBSWEG von GRAZ nach INNSBRUCK, erwanderte dabei 622 km in 150 Stunden (reine Gehzeit).

Folgende Orte waren meine Etappenziele:
GRAZ - Wildon - Spielfeld (in der Steiermark 56 km) - Ruse/Maria Rast - Vuzenica/Saldenhofen (in Slowenien 94 km)  - Neuhaus - Kühnsdorf - Vellach - Kirschenteuer - Mühlbach - Kellerberg/Weißenstein - Molzbichl - Lind im Drautal - Oberdrauburg (in Kärnten 245 km) - Thal (in Osttirol 55 km) - Innichen - Olang - Niedervintl - Freienfeld - Brenner (in Südtirol 117 km) - Matrei - INNSBRUCK (in Nordtirol 55 km).




                                           Der Weg ist das Ziel                                              



Samstag, 18. September 2010

Alpendurchquerung - Teil 1 - Von München nach Hall in Tirol

In der Ausschreibung von "Vai e Via AktivReisen - www.vaievia.com" steht zu lesen: die Alpen sind wohl eine der faszinierendsten Naturräune Europas.
Ziel ist die Querung von MÜNCHEN nach VENEDIG in drei Etappen. Teil 1 führt uns von München nach Hall in Tirol. Von der bayerischen Metropole queren wir liebliche Hügel und das Alpenvorland, bevor wir die nördlichen Kalkalpen erklimmen und das langgezogene Inntal erreichen.
Teilnehmner: Gertraud, Helga, Johanna E., Johanna K., Linda, Linde, Theresia u. Reinhold, Kurt, Paul

Reiseleiter und Wanderführer: Josef MITTERHOFER

So, 05.09.10 - Anreise mit dem Zug nach München
Mit dem Zug sind unser sechs Personen um 14.15 Uhr bei schönem Wetter in Olang abgefahren, auf die anderen Teilnehmer sind wir in Franzensfeste gestoßen; den Münchner Hauptbahnhof haben wir um 18.30 Uhr erreicht und haben gleich anschließend im Hotel "Royal" in der Schillerstraße Quartier bezogen. Komisch, abends ist hier mehr los als untertags, berichtet unser Wanderführer Josef auf "www.al-to.eu". Und das stimmt so.
In einem typischen Münchner Lokal genossen wir in geselliger Runde das Abendessen, aber leider ohne typischen bayerischen Schweinebraten, der zwar beim Eingang groß angepriesen, aber nicht mehr vorrätig war. Dafür schmeckte das Paulaner Bier umso besser!

Mo, 06.09.10 - Durch die Isarauen
Bei herrlichem Wetter starteten wir um 8.00 Uhr am Marienplatz, durch das Isartor hindurch, am Deutschen Museum und dem Tierpark Hellabrunn vorbei und den Isarauen entlang stadtauswärts. Vor dem Kloster Schäftlarn machten wir noch kurz Rast am Georgenstein (Halbzeit unserer Tagesetappe) und genossen dann das Oktoberfestbier und den Ochsenbraten zu Mittag im Klostergarten.
Die letzten 10 km  bis nach Wolfratshausen waren sehr mühsam und um 17.30 Uhr erreichten wir den angestrebten Ort, wo wir humpelnd im Gasthaus "Humplbräu" unsere schweren Rucksäcke (meiner wog ca. 12 kg und tauschen wollte mit mir niemand, deshalb nehme ich an, dass er einer der Schwersten war) abstellen und uns kurz erholen konnten. Verschiedene Salben wurden ausgetauscht und der Weg zum nahegelegenen Restaurant ließ erkennen, dass unsere Füße noch sehr schwer waren. Deshalb war es auch verständlich, dass wir gleich nach dem Abendessen die Schlafgemächer aufsuchten.
Strecke: 34 km - Höhenmeter: 350 - Abstieg: 300 m - Reine Gehzeit: 6 1/2 St.


Di, 07.09.10 - Den Isarauen entlang nach Bad Tölz
Start war wiederum um 8.00 Uhr nach dem Frühstück im "Humplbräu"; die Temperaturen und das Wetter zum Wandern waren angenehm. Großteils ging es wieder der Isar (Reinhold wollte mit einem Floß wiederum zurück nach München!) und den Isarauen entlang, an Geretsried vorbei, auf Schotter-, Wald- und Feldwegen und einigen Teilstücken auf Asphalt. Die Aussicht war nicht berauschend und auf dem ganzen Teilstück gab es leider keine Einkehrmöglichkeit. Eine kurze Mittagsrast wurde uns vom Wanderführer Josef empfohlen und sobald wir dann den Isarweg verlassen hatten, sahen wir einzelne Bauernhöfe im Weiler Fiecht und Reinhold hatte die gute Idee, um ein Getränk dort anzuhalten (Supi!). Der Jungbauer hatte Verständnis und brachte uns das gewünschte Getränk und wir setzten die Wanderung, zurückkehrend zur Isar, bis nach Bad Tölz fort, wo wir um 15.30 Uhr eintrafen und nachdem wir die Übernachtungsstätte erst um 17.00 Uhr aufsuchen konnten, haben wir uns noch ein Bier in einem Cafè an der Isarbrücke mit Aussicht zum Kalvarienberg gegönnt.
Müde bezogen wir die nette Wirtschaft "Zantl" im Zentrum und verspeisten das vorzügliche Abendessen. Es ist eines der ältesten Häuser in Bad Tölz mit einer altbayerischen Gaststube und historischen Gästezimmern im Stil früherer Zeiten.
Strecke: 29 km - Höhenmeter: 400 - Abstieg: 300 m - Gehzeit: 5 1/2 St.


Mi, 08.09.10 - Von der Auenlandschaft in die Berge
Aus der vielseitigen Auenlandschaft der Isar führt uns diese Etappe in die Berge.
Startzeit war um 8.15 Uhr in Bad Tölz. Zuerst ging es wieder der Isar entlang auf angenehmen Schotterwegen (Achtung Radfahrer unterwegs!), vorbei an Arzbach, über Almwege und grüne Weiden übers Längental Richtung Benediktenwand (Hausberg der Münchner). Eine Stunde Gehzeit vor der Tutzinger Hütte machten wir eine Mittagspause auf der Tiefentalalm und trafen um 14.30 Uhr, kurz vor dem Regen, auf der bereits erwähnten Hütte ein. Es kann auch ein Vorteil sein, wenn man frühzeitig - dank Josef und den wirklich trainierten Teilnehmern - am Ziel ist. Auch die Nacht hindurch hat es ausgiebig geregnet. Es war direkt romantisch auf der Hütte.
Ein Begrüßungsschnapsl von Josef tat uns allen gut! Der freundliche Empfang der Hüttenwirtin nach dem ersten größeren Berganstieg war wohltuend. Nachdem wir schon frühzeitig  angekommen waren, durfte ein "Karterle" nicht fehlen und Sieger waren natürlich die Männer, obwohl wir in Unterzahl waren (4 : 7). Das Essen schmeckte auch und wie die Geräuschkulisse in der Nacht in den Zimmern ausfiel, ist mir nicht bekannt. Bettruhe: 22.00 Uhr.
Strecke: 22 km - Höhenmeter: 900 - Abstieg: 350 m - Gehzeit: 5 St.

Do, 09.09.10 - Durch die Jachenau ins Rißtal
Als Jachenau wird das idyllische Wald- und Wiesental bezeichnet, in dem der Ort gleichen Namens liegt. Das Rißtal liegt schon im Bereich des Karwendelgebirges. In der unberührten Natur der Vorderriß hat der Dichter Ludwig Thoma einige Kindheitsjahre verbracht, sein Vater war Oberförster in Vorderriß. Heute gehört das Rißtal dem Fürsten von Luxemburg, wo er auch sein eigenes Jagdrevier hat. Nicht nur auf die Naturlandschaften sonder auch auf die Kultur hat uns unser Wanderführer hingewiesen.
Wir starteten wiederum um 8.00 Uhr, nach dem Frühstück, bei leichtem Nieselregen, ausgehend von der Tutzinger Hütte auf den Sattel Richtung Benediktenwand. Den Aufstieg auf diese Wand ersparten wir uns, nachdem das Wetter auch nicht einladend war. Stattdessen bogen wir rechts ab, vorbei an zwei, wie es so aussah, heimischen Steinböcken, über Stock und über Stein bis in die Jachenau hinein. Dort gönnten wir uns eine gemütliche Mittagspause und Josef verarztete noch eine unserer Teilnehmerinnen, nachdem er zuerst mit einer Physiotherapeutin Rücksprache gehalten hatte (der Name ist mir nicht bekannt und kann auch aus Datenschutzgründen nicht genannt werden).
An einem schön gelegenen Bauernhof vorbei und bei mäßigem Anstieg erreichten wir die Lainer Alm, die erste bewirtschaftete Alm auf unserer Wanderung. Einkehr ist Pflicht, wer's nicht tut, der ist für nicht's! Bier und Kuchen verträgt sich auch und ein Schnaps für die Verdauung kann auch nicht schaden.
Der Wettergott meinte es gut mit uns und so kehrten wir auch in der Luitpolder Alm ein, die nicht so weit entfernt war von der vorherigen. Eins, zwei, drei und schon ging es wieder weiter. Ein Lied der Sennerin für die spendierte Runde mußte natürlich auch sein!
Den Rißsattel erreichten wir in flotten Schritten und die vielen Serpentinen hinunter nach Vorderriß waren ein Leichtes nach dem Kurvengeist.
Im Alpengasthof "Post", wo wir um 17.00 Uhr eintrafen, lassen wir den Wandertag gemütlich ausklingen. Obwohl Ruhetag war, hat uns der Wirt ein zünftiges Abendessen serviert (Hirschgulasch). In den gemütlichen Zimmern ließ es sich auch gut übernachten.
Schade, dass mein Sohn Hannes, wie eigentlich geplant, an diesen letzten zwei Wandertagen nicht dabei war. Ich hatte ihn, begründet durch die Schlechtwetterprognosen, von der Fahrt nach Bad Tölz abgeraten. Dies war ein Fehler, weil die Prognosen nicht stimmten und er sich sicherlich bei uns wohlgefühlt hätte.
Strecke: 20 km - Höhenmeter: 700 - Abstieg: 1.200 m - Gehzeit: 5 St.

Fr, 10.09.10 - Karwendelgebirge
Auf der heutigen Etappe überqueren wir die Grenze zwischen Bayern und Tirol und gelangen ins Karwendelgebirge, das ein besonderes Naturparadies darstellt.
Nachdem bis Hinterriß die meiste Zeit auf der Fahrstraße zu gehen gewesen wäre, haben wir beschlossen, das öffentliche Verkehrsmittel um 10.45 Uhr zu besteigen. So passierten wir im Bus den heute, Gott sei Dank, nicht mehr existierenden Grenzbalken zwischen Deutschland und Österreich.
Der Aufstieg ins Johannestal zum Kleinen Ahornboden war recht angenehm. Dort machten wir eine kurze Mittagspause und fotografierten u.a. auch das Denkmal von HERMANN von BARTH, dem Besteiger von insgesamt 88 Karwendelgipfeln in den Jahren 1870/71, davon 12 als Erstbesteiger. Er ist im jugendlichen Alter von 31 Jahren in Afrika verstorben.
Auf dem Europawanderweg E4 markierten Pfad ging es bei leichtem Nieselregen weiter zum Hochalmsattel und zum Karwendelhaus, wo wir um 15.00 Uhr eintrafen. Wir haben die Zeit auf der Hütte genossen und bereiteten uns auf den morgigen schwierigen Tag vor.
.Strecke: 12 km - Höhenmeter: 800 - Abstieg: 50 m - Gehzeit: 3 St.

Sa, 11.09.10 - Im Herzen des Karwendelgebirges
Die heutige Tour zählt zu den Schönsten im Karwendelgebirge. Wir bewegen uns im Bereich der Isarquellen (sie mündet nach 290 km in die Donau), dem Fluss der uns von München bis hierher häufig begleitet hat.
Wir starteten um 7.45 Uhr zur Königsetappe dieser einwöchigen Wanderung. Bei herrlichem Wetter aber etwas kalten Temperaturen erreichten wir um 10.00 Uhr den Schlauchkarsattel (2.639 m), nach einem Aufstieg auch im Schnee. Einige Gipfelhungrige sind noch zur Birkkarspitze auf 2.749 m auf teilweise drahtseilversicherten und ausgesetzten Steig aufgestiegen (höchste Erhebung des Karwendelgebirges), nachdem zuerst der Rucksack auf dem Sattel deponiert wurde. Eine herrliche Aussicht war der Lohn für den Aufstieg.
Nach einer Rast am Sattel wartete ein langer, teils seilgesicherter und serpentinenreicher Abstieg durch das Birkkar hinunter.
Theresia (immer in kurzen Hosen unterwegs!) wartete auf unsere deutsche Begleiterin Susanne, zu der wir nach Bad Tölz gestossen sind, und begleitete sie auf dem drahtseilversicherten Abstieg. Sie war sicherlich froh um diese Hilfe. Auch unser Wanderführer Josef war bestrebt uns alle gut ins Tal zu bringen. Einige Teilnehmer haben im Vergleich zum Vorjahr erhebliche Fortschritte gemacht. Etwas weiter unten, im schotterigen Gelände saß aber trotzdem jeder einmal auf seinem Hosenboden, aber Gott sei Dank, ohne gröbere Verletzungen oder Abschürfungen.
Bis zur 1.500 m tiefer gelegenen Kastenalm war es ein langer Abstieg und wir hatten dort Hunger und Durst. Der Aufstieg zum Hallerangerhaus (etwa 500 hm) war noch etwas mühevoll, aber wir waren ja darauf vorbereitet. Um 17.15 Uhr erreichten wir unsere letzte Hütte auf dem 1. Teil der Alpendurchquerung.
Unsere Stimmung war gut und so wurde noch das eine oder andere Bier - einen Begrüßungsschnaps spendierte das Haus, die anderen wurden nicht mehr gezählt - getrunken. Es wurden natürlich auch reichlich alkoholfreie Getränke während dieser Tour eingenommen, sonst hätten wir diese anstrengenden Etappen sicherlich nicht geschafft. 
Susanne wurde nach dem Abendessen noch zur Karwendelkönigin gekürt. Wirklich eine nette Geste.
Der anstrengendste Tag geht zu Ende und wir suchten zu angemessener Zeit unsere Betten bzw. Lager auf.
Strecke: 20 km - Höhenmeter: 1.750 - Abstieg: 1.600 m - Gehzeit: 7 1/2 St.

So, 12.09.10 - Abstieg ins Inntal
Endziel des ersten Teiles auf dem Weg von München nach Venedig ist Hall in Tirol mit seiner malerischen Innenstadt.
Nach dem Frühstück starteten wir gemütlich und ohne viel Stress. Vom Hallerangerhaus waren noch gute 300 m Aufstieg zu absolvieren bis wir auf das Lafatscherjoch gelangten. Von den Höhenzügen des Karwendels hat man einen schönen Ausblick auf das grüne Inntal. Bei super Wetter und etwas frischen Temperaturen sahen wir entlang des Steiges gar einige Gemsen, die die Menschen schon gewohnt waren und ein passendes Fotomotiv bildeten.
Gemächlich stiegen wir nun durch Latschen hinab ins Isstal und kehrten im Gasthaus St. Magdalena zum Frühschoppen ein. Schade nur, dass wir am aufgelassenen Salzbergwerk vorbeimarschiert sind.
Da gerade Sonntag, gingen wir auch in die nahegelegene Klosterkirche zu danken, dass alles gut gegangen ist.
Der Abstieg nach Hall war nicht mehr weit und wir durchquerten im gemütlichen Schritt die Innenstadt.
Im Rathauscafè stärkten wir uns noch, verabschiedeten uns von Susanne und gingen dem Bahnhof zu.
Um 16.30 Uhr war Abfahrt und um 19.45 Uhr sind die Letzten in Olang ausgestiegen.
Strecke: 18 km - Höhenmeter: 550 - Abstieg: 1.600 m - Gehzeit: 4 1/2 St.

Insges. Strecke: 155 km - Höhenmeter: 5.450 - Abstieg: 5.400 m - Reine Gehzeit: 37 St.

Zum Schluss möchte ich mich noch im Namen aller Teilnehmer bei unserem Wanderführer JOSEF recht herzlich bedanken. Er war ein angenehmer Begleiter und geselliger Mensch. Es hat während der ganzen Woche nie Probleme gegeben, was natürlich auch auf die Gruppe zurückzuführen ist. Konditionell waren wir alle in top Form, was sich auch in den Gehzeiten ausdrückt. Wir haben die angegebene Richtzeit immer unterboten und waren frühzeitig auf den Hütten!
Die Geselligkeit bzw. der Spassfaktor in den Hütten und auch unterwegs kam auch nicht zu kurz. Den eisacktaler und überetscher Teilnehmern mußten wir gar einige Pustertaler Dialektwörter beibringen, damit es während dieser Woche zu keinen Missverständnissen kommen konnte. Es ist uns auch gelungen, denn wir haben uns immer prächtig verstanden!
Reinhold gab auch sein Wissen in der Gesteinskunde preis, wie lange dies aber in unseren Köpfen bleibt muß noch beim Nachtreffen unter Beweis gestellt werden.

Ich freue mich schon auf den Teil 2 der Alpendurchquerung und hoffe, dass alle wieder mit dabei sind.