Der Jakobsweg in der Steiermark begann am Nachmittag der Mur entlang und auf dem Murtal-Radweg R2 passierte ich die Ortschaften Feldkirchen, Kalsdorf und Werndorf und traf um 18.30 Uhr in Wildon ein.
Was mir auf dem ersten Teilabschnitt besonders auffiel waren die vielen Kürbis- und Maisfelder.
Gehzeit: 5 1/2 St. (ca. 25 km)
Di, 12.10.10: Von Wildon/Lebring nach Spielfeld
Um 8.30 Uhr nach dem Frühstück bin ich in Lebring losgegangen und über Lang, Tillmitsch, dem Fluss Laßnitz entlang bis zur Einmündung in die Sulm (der Fluss Sulm mündet in die Mur und diese in die Drau), teils auf dem Römerradweg R6 bis in die Stadt Leibnitz. Von der Kapuzinerkirche im Zentrum gelangt man in ein paar Minuten zur Jakobskirche, in der ich auch kurz einkehre und dem hl. Jakobus danke, dass er mich auf dem Weg so gut begleitet.
Über die Sulmbrücke gelange ich Richtung Reißnitz (unwegsam) und anschließend nach Ehrenhausen und über den Murradweg nach Spielfeld, wo ich um 17.30 Uhr angekommen bin.
Unterwegs mache ich kaum Rast, ein Obst kann man im Gehen essen und was besonders wichtig ist, genügend zum Trinken im Rucksack zu haben. So an die 10 kg wiegt der Rucksach tagtäglich.
In Spielfeld übernachtete ich im Buschenschank "Schober", wo mir auch ein gutes Abendessen gereicht wurde.
Die Stadtpfarrkirche in Leibnitz, dem hl. Jakobus geweiht, ist an sich romanischen Ursprungs, erlebte jedoch große bauliche Veränderungen, bedingt durch die beim ersten großen Türkeneinfall (1532) und dann beim großen Brand von 1704 erlittenen Zerstörungen. Auf dem Seggauer Berg ist die Burg Leibnitz zu sehen.
Die bei Grenzorten (Spielfeld) fast übliche Tristesse wird durch eines der schönsten Renaissanceschlösser der Steiermark und durch die sehenswerte gotische Kirche St. Michael mehr als wettgemacht.
Gehzeit: 6 1/2 St. (ca. 29 km)
Geradeaus, in südlicher Richtung gelangte ich ins Zentrum von Marburg und zur Drau.
Nach der Stadt wanderte ich eine Zeit lang Nahe der Drau und in den Auwäldern entlang des Flusses fand ich zahlreiche Haselnüsse. Der Weg wird jetzt mühselig, da vielfach auf asphaltierten Wegen und Gehsteigen neben der Hauptstraße gewandert werden muß.
Ich passierte die Ortschaften Limbus/Lembach, Laznica, Bistrica/Feistritz, Bezena und gelange um ca. 18.00 Uhr nach Ruse/Maria Rast, einem Wallfahrtsort, wo ich auch übernachte.
Gehzeit: 8 1/2 St. (ca. 37 km)
Nachdem ich einen Schrittzähler dabei hatte, habe ich mir an diesem Tage die Schritte zählen lassen: 47.000.
Do, 14.10.10: Von Ruse/Maria Rast nach Vuzenica/Saldenhofen
Meine Startzeit ist immer dieselbe: 8.30 Uhr. Nach einem Abstecher in die Wallfahrtskirche von Maria Rast geht es auf Ausphaltstraßen bis zur nächsten Wallfahrtskirche "Maria in der Wüste" in Puscava, erbaut von den Benediktinern im Jahr 1627. Vorher kam ich an der Annenkapelle vorbei, aber wie schon so oft, die Wallfahrtskirche war wohl offen, aber ich kam nur bis zum Absperrgitter. Ein paar Gedanken und Gebete durften natürlich nicht fehlen.
Auf dem weiteren Weg nach Podvelka sieht man wieder die rot-weiße Kreismarkierung, wie ich sie schon einen Tag zuvor gesehen habe; ansonsten begegnet man keiner weiteren Jakobsmarkierung.
Die nächste Ortschaft, der ich mich näherte, ist Vuhred/Wuchern (Laurentiuskirche), wiederum vorbei an bellenden Hunden, die mich verfolgten. Bei einem Hof mußte ich gar einen Umweg machen, um einen mir nähernden Hund auszuweichen, trotz des Wanderstabes, den ich immer bei mir habe.
Unterwegs auf dem Jakobsweg sinniere, meditiere und bete ich oft und ab und zu ist mir auch das Lied "Das Wandern ist des Müllers/Paulis Lust" eingefallen, welches ich natürlich auch gesungen habe. Auf diesen langen Teilabschnitten wird man nur sehr selten gestört (ausser von Hunden!) und man hat viel Zeit zum Nachdenken.
Sprachlich hat man in Slowenien keine Schwierigkeiten. Mit Deutsch oder Englisch kann man sich gut verständigen; die Jungen lernen es sowieso in der Schule und die ältere Generation gibt sich viel Mühe. Überhaupt muß man sagen, dass die Slowenen sehr höflich und zuvorkommend sind.
Der Markt Vuzenica/Saldenhofen wird schon 1238 erstmals erwähnt und entwickelte sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für das in der extrem waldreichen Gegend geschlagene Holz. Ausdruck dieses Reichtums sind die zahlreichen Sakralbauten in und rund um Vuzenica, allen voran natürlich die romanisch-gotische Nikolauskirche.
Gehzeit: 8 1/2 St. (ca. 37 km).
Fr, 15.10.10: Von Vuzenica/Saldenhofen (SL) nach Neuhaus (Kärnten)
Start wiederum nach dem Frühstück um 8.30 Uhr.
Nach einer langen Durststrecke treffe ich nach Dravce, aber vor Trbonje/Trofin, wieder auf ein paar Jakobsschilder, ein Hinweis, dass ich noch auf dem richtigen Weg bin.
Vor Dravograd/Unterdrauburg begleitete mich ein Stück des Weges eine Frau, die ganz gut Deutsch sprach. Sie erzählte mir von den vielen Arbeitslosen in der Stadt Dravograd (ca. 9.000 Einwohner), Folge der Wirtschaftskrise. Slowenien ist vor ca. 5 Jahren der EU beigetreten.
Die Grenze zu Österreich (Kärnten) überquerte ich nach dem Dorf Vic/Witsch und komme zu dem alten Gut "Landsmannhof", den man die vergangene Pracht noch ansieht, das aber heute leersteht. Vor diesem Gut thront eine jahrhundertalte, mächtige Linde, Symbolbaum der slawischen Völker. Oberhalb der Linde sieht man die zum Gut gehörende, kleine, restaurierte Jakobskirche (die Erste in Kärnten), die zu besuchen sich auf jeden Fall lohnt, auch wenn sie versperrt ist.
Ich überquerte die Lavant, die gleich anschließend in die Drau mündet und wanderte weiter bis nach Neunhaus, wo ich um 18.00 Uhr angekommen bin und im Gasthof "Hartl" typische Kärntner Gerichte verkostete und in netter Runde den Abend unterhaltsam ausklingen ließ.
Eine Anekdote am Rande: einem guten Kollegen habe ich per sms mitgeteilt, dass ich auf dem Jakobsweg unterwegs bin. Seine Antwort darauf: "Bitt für uns". Ich simste zurück "Geh Du selbst, dann bitt für mich!"
Dravograd/Unterdrauburg. Schon im frühen Mittelalter gelangte der Ort zu einiger Bedeutung und wurde unter dem Einfluss jüdischer Kaufleute zu einem der ältesten Märkte Sloweniens. Besonders die Drauschifffahrt und -flößerei trug zu seiner Blüte bei und war auch Knotenpunkt zweier wichtiger Eisenbahnlinien.
Die unserem Pilgerpatron geweihte gotische Kirche in Neuhaus weist Reste von Fresken an der Choraussenmauer und über dem Westportal auf. Der hl. Jakobus ist ausser am Hochaltar auch in der Glasmalerei des östlichen Fensters zu sehen.
Das über dem Dorf thronende Schloss Neuhäusl wurde nach dem Brand von 1481 im Renaissancestil neu erbaut und später barockisiert.
Gehzeit: 7 1/2 St. (ca. 32 km).
Sa, 16.10.10: Von Neuhaus nach Kühnsdorf/Völkermarkt
Abschlussetappe auf dem Jakobsweg durch die Steiermark, Slowenien, Kärnten, Osttirol, Südtirol und Nordtirol wie im Pilgerbuch von Peter Lindenthal "Auf dem Jakobsweg durch Süd-Österreich, Slowenien und Südtirol", also von GRAZ bis INNSBRUCK, beschrieben.
Wegbeschreibungen und andere kulturelle und historische Hinweise habe ich diesem Buch entnommen.
An diesem letzten Pilgertag ist in der Früh (8.00 Uhr) der Besuch der Jakobskirche in Neuhaus angesagt. Nach dem Frühstück holte ich mir den Schlüssel für die Kirche im naheliegenden Geschäft und verbrachte gar einige Zeit im Gebet in dieser letzten Pilgerstätte auf meinem Weg. Ich hatte zu Danken für gar einiges in meinem Leben. Natürlich habe ich auf dem Pilgerweg auch andere Anliegen und Wünsche immer miteingeschlossen.
Wenn man immer alleine unterwegs ist, hat man auch genügend Zeit dafür.
Es kam in mir eine große Freude auf und es war ein bewegender Moment, als ich um 15.00 Uhr dieses Dorf erblickte, habe ich doch vor zwei Jahren an dieser Stelle den Jakobsweg begonnen.
Ich hatte diese Woche großes Glück mit dem Wetter und es war angenehm zu wandern.
Um 15.30 Uhr habe ich den Zug in Kühnsdorf/Völkermarkt bestiegen und bin über Klagenfurt und Villach um 18.30 Uhr in Lienz angekommen und nachdem dort keine Verbindung mehr nach Südtirol war, hat mich meine Frau Zilli mit dem Auto abgeholt und nach Hause chauffiert.
Gehzeit: 6 St. - immer reine Gehzeit (ca. 27 km).
Eine neue Erfahrung für mich war ganz allgemein das Pilgern und zudem noch die ganze Strecke alleine unterwegs zu sein. Ich muß sagen, ich habe mich durchgekämpft, obwohl man ab und zu auf den Gedanken kommt, ein Teilstück mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zurückzulegen, überhaupt wenn man "Asphalthatscherei" betreibt oder oft die längste Zeit einen "Bahngeleiseanblick" hat, wie z.T. in Slowenien. Aber diese Zeit vergeht auch und nachher ist man immer froh, alles auf "Schusters Rappen" bewältigt zu haben.
Eine Nachbetrachtung zum Pilgerweg: wir in Südtirol haben das Glück, dass zum Großteil alle Kirchen offen sind. In Süd-Österreich und Slowenien ist dies nicht der Fall: die meisten Kirchen, sei es Jakobs-, Wallfahrts- oder auch ganz normale Kirchen in den Dörfern sind zum Großteil versperrt. Es wird dies schon seine Gründe haben.
Ich danke dem Herrgott, dass ich die Gesundheit habe, so lange Wegstrecken überhaupt bewältigen zu können.
Meine nächsten Pläne wären, die Jakobswege in Südtirol anzugehen; einen Teil - von Innichen bis zum Brenner - habe ich ja schon hinter mir.
In 21 Tagen pilgerte ich auf dem JAKOBSWEG von GRAZ nach INNSBRUCK, erwanderte dabei 622 km in 150 Stunden (reine Gehzeit).
Folgende Orte waren meine Etappenziele:
GRAZ - Wildon - Spielfeld (in der Steiermark 56 km) - Ruse/Maria Rast - Vuzenica/Saldenhofen (in Slowenien 94 km) - Neuhaus - Kühnsdorf - Vellach - Kirschenteuer - Mühlbach - Kellerberg/Weißenstein - Molzbichl - Lind im Drautal - Oberdrauburg (in Kärnten 245 km) - Thal (in Osttirol 55 km) - Innichen - Olang - Niedervintl - Freienfeld - Brenner (in Südtirol 117 km) - Matrei - INNSBRUCK (in Nordtirol 55 km).
Der Weg ist das Ziel
5 Kommentare:
I hon schun gilesn, du bisch anfoch supo und mir gfollt des; mir kimp vor i tua a win mitpilgon, wenne des a so les.
Lieber Paul! Eine ganz großartige Sache hast du da!!
Meine Bewunderung und Gratulation zu DIESER Leistung, zu sooo vielen Kilometern, zu sooo einem schönen Bericht und zu sooo prachtvollen Qualitätsbildern!
Mach weiter so!
Angelo M.
Hallo Paul,
hon deine Berichte gelesen.
Hosch wiedo a großartige Leistung vollbrocht.Du wersch olba jünga!
Grüße va die Gsiesa
Lieber Paul, i gratulier Dir für Deine Wege durch die Länder bis nach Santiago. Wir bewundern Deine Beschreibungen und gut gewählten Fotos.
Was aber unsereiner nicht mitbekommt sind die vielen Eindrücke und Gefühle, die Du dabei haben wirst. Dies ist nur den Akteuren vorbehalten, der andere, auch der Leser, bleibt vielfach ein Laie. Mach weiter und lass es mich auch weiterhin wissen.
Wenn Du in Feldkirch vorbeikommst, dann wirst bei den Kapuzinern ein Zimmer haben, eigens für die Pilger eingerichtet.
Geh mit Gott und Du wirst dort ankommen.
Gruß P. Peter
Vielen Dank für den tollen Bericht und die schönen Fotos von Deiner Pilgerwanderung, zu der wir Dir recht herzlich gratulieren!
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